STELLENMELDEPFLICHT - FLUCH ODER SEGEN?

19.06.2018

Bald ist es soweit, der 1. Juli 2018 - Stichtag für die neueingeführte Stellenmeldepflicht - steht vor der Tür. Gut, einen Abreisskalender führen wir nicht. Auch die tolle Idee eines Schokoladenkalenders für das versüsste Warten musste von der Marketingabteilung vieler Firmen verworfen werden. Dennoch fiebern wir dem Datum entgegen. Was wird sich konkret ändern? Ist die Idee des Bundes schlau genug durchdacht und wie alltagstauglich ist diese Meldepflicht überhaupt?

Betrifft es alle Berufe?

Nein. Zumindest vorerst nicht. Ausser wir enden in einem wirtschaftlichen Supergau und müssen alle Berufsarten auf die Liste nehmen lassen. Aktuell wurde der Schwellenwert auf 8 % und mehr gesetzt. Dies bedeutet, dass sämtliche Berufsarten, die eine Arbeitslosenquote von 8 % und höher erreichen, zuerst der neu geschaffenen Abteilung innerhalb des Amtes für Wirtschaft und Arbeit gemeldet werden müssen. Unnötiger, bürokratischer Aufwand oder hilfreiche Unterstützung für Stellensuchende?

Was bedeutet dies im Alltag eines Unternehmens oder für uns als Stellenvermittler?

Dies bedeutet, dass offene Stellen, wenn sie für einen längeren Zeitraum als 14 Tage zu besetzen sind, zuerst via Online-Formular, telefonisch oder persönlich dem Amt für Wirtschaft und Arbeit übermittelt werden müssen. Das Amt übernimmt danach die Erfassung der Stelle und sucht innerhalb des RAV (Regionales Arbeitsvermittlungszentrum) nach geeigneten Fachkräften, welche dem RAV gemeldet sind. Sind passende Kandidaten vorhanden, werden ihre Daten an die Firmen / uns Stellenvermittler übermittelt. Nun liegt es an diesen, ob die Person für die Vakanz in Erwägung gezogen wird oder nicht. Passt das Profil zur Stelle und der Prozess soll weitergeführt werden, ist dies eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten. Passt das Profil nicht, kann die stellensuchende Person ohne Angabe von Gründen abgelehnt werden. Soweit so gut.

Aber... wie...?

Für uns Stellenvermittler erschien dieser Prozess anfänglich übertrieben bürokratisch. Gilt es eine Stelle von einer Einsatzdauer von weniger als 14 Tagen zu besetzen, ist die Meldepflicht obsolet. Verlängert sich der Einsatz, kommt die Stellenmeldepflicht dennoch zum Tragen. Müsste dann ein Kandidat mit einer neuen Person ersetzt werden? Prinzipiell ja. Denn ab dem 14. Tag müsste die Stelle einer beim RAV registrierten, arbeitslosen Person verfügbar gemacht werden, bzw. sie müsste eine konkrete Chance erhalten, ihr Dossier einreichen zu dürfen. In der Praxis jedoch sieht dies anders aus. Eine neue Person kann vom RAV durchaus vorgeschlagen und anschliessend selbstverständlich umgehend abgewiesen werden - da keine Begründung notwendig ist. Somit kann der Temporäreinsatz mit der bestehenden Person weitergeführt werden. Kompliziert, könnte man meinen. Andererseits kann diese Pflichtübung auch ein willkommener Segen sein. Stellen Sie sich vor, die Person, welche nun 13 Tage für Ihren Kunden im Einsatz sein durfte, entpuppt sich als - sagen wir es mal nett - nicht wirklich ideal. Dann kommt Ihnen die Zusendung einer beim RAV gemeldeten Person wie gerufen. Passt das Profil und die neue Person überzeugt, haben nicht nur wir als Stellenvermittler, sondern auch die arbeitslose Person vollkommen profitiert. Besser geht's kaum! 

Was gibt es sonst noch zu beachten?

Möchten Sie eine Person intern versetzen und diese Person arbeitet bereits schon seit mindestens 6 Monaten für Ihren Betrieb, entfällt die Stellenmeldepflicht. Dies gilt auch bei der Übernahme von Lernenden ins Festanstellungsverhältnis nach Lehrende. Sind Sie Angehöriger eines Zeichnungsberechtigten der Firma? Auch dann entfällt die Stellenmeldepflicht.

Weshalb überhaupt dieser ganze Aufwand?

Diese Meldepflicht soll den Stellensuchenden zugutekommen. Die Frist von 5 Tagen nach bestätigter Stellenmeldung gilt nämlich als Publikationssperre für uns und die Firmen. Während diesen 5 Tagen erhalten Stellensuchende die privilegierte Möglichkeit, dass nur sie sich auf diese Vakanz bewerben können. Alle anderen Personen, die sich z.B. in einem bestehenden Arbeitsverhältnis befinden, werden über diese Vakanz gar nicht erst informiert. Weder über das Internet noch über die Zeitung. Diese Vakanz ist exklusiv für RAV-gemeldete Stellensuchende sichtbar.

Und wenn ich die Meldung unterlasse?

Versuchen Sie es gar nicht erst. Sie riskieren eine hohe, unnötige Busse. Und Sie wissen ja, wie es ist: einmal im Visier der Behörden, folgen weitere unliebsame Kontrollen. Ausserdem liegen in der Stellenmeldepflicht noch unbekannte Möglichkeiten und Vorteile, welche es zu nutzen gilt. Wir empfehlen daher: Gehen Sie offen und unbefangen damit um!

job impuls ag - Ihr stets gut informierter, kompetenter Stellenvermittlungs-Partner. Wir sind für Sie da, bereits bevor Sie uns brauchen.

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