ARBEITSZEUGNIS: FLUCH ODER SEGEN?

25.02.2019

Erhalten wir ein schlechtes Arbeitszeugnis, ist es um unsere Karriere geschehen – so könnte es auf jeden Fall den Anschein haben. Doch wann ist ein Arbeitszeugnis wirklich positiv und wie soll es gelesen werden? Welche Informationen dürfen auf gar keinen Fall fehlen? Auch wenn man davon ausgehen kann, dass viele Arbeitszeugnisse sogenannte «Gefälligkeitszeugnisse» sind, muss man darauf schauen, dass dieses wichtige Dokument alle notwendigen Kriterien erfüllt. Hierzu gehören: 

  • Angabe der Personalien
  • Identität des Arbeitgebers
  • Anstellungsdauer
  • Funktion
  • Hauptaufgaben
  • Bewertung der Leistungen und des Verhaltens
  • Rechtsgültige Unterschrift(en) des Unternehmens mit Ausstellungsdatum und Ort

Wann habe ich ein Anrecht auf ein Arbeitszeugnis?

Wir langweilen Sie hier nicht mit Gesetzesartikeln oder sonstigen juristischen Weisheiten. Eines ist jedoch klar: Ein Arbeitszeugnis muss wahrheitsgetreu und wohlwollend verfasst sein. Das heisst: sämtliche Angaben, welche im Zeugnis stehen, müssen wahr sein und dürfen das berufliche Fortkommen nicht hindern. Eine zu positive Bewertung bei mangelnder Leistung ist nicht korrekt und langfristig auch nicht sinnvoll. Die richtige Formulierung ist essenziell – daher sollen sich die Vorgesetzten genügend Zeit für das Ausfüllen des Bewertungsbogens nehmen. Es ist auch ratsam, den Bogen erst dann zu bewerten, wenn die erste Enttäuschung oder Wut, ausgelöst durch die Kündigung des Mitarbeitenden - verschwunden ist – denn diese negative Haltung ist in der Formulierung des Arbeitszeugnisses spürbar und soll auf jeden Fall vermieden werden. Doch wann hat ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin ein Anrecht auf die Ausstellung eines Zwischen- oder Arbeitszeugnisses und wann macht es Sinn, eine Arbeitsbestätigung zu schreiben? 

Ein Zwischenzeugnis kann jederzeit angefordert werden, eine Begründung hierfür braucht es nicht. Die unaufgeforderte Ausstellung eines Zwischenzeugnisses sollte auf jeden Fall bei einem Vorgesetztenwechsel oder einer Firmenübernahme erfolgen. Hingegen wird ein Arbeitszeugnis nur auf Ende einer Anstellungsdauer erstellt. Wurde einem Mitarbeitenden die Stelle gekündigt, empfiehlt es sich, ihm bzw. ihr die Jobsuche mit einem aktuellen Zwischenzeugnis zu erleichtern. Auf die Beendigung der Anstellungsdauer zu warten, erschwert die Stellensuche unnötig. Eine Arbeitsbestätigung wird dann erstellt, wenn die Anstellungsdauer sehr kurz war – in der Regel während der Probezeit, da während dieser kurzen Periode die ausführliche Bewertung für ein Arbeitszeugnis noch nicht vorgenommen werden kann.

Codiert oder uncodiert – das ist hier die Frage!

Oftmals wird von «uncodierten» Zeugnissen gesprochen. Gerne räumen wir hier mit einer Mär auf, welche es zu klären gibt. Ein codiertes Zeugnis gibt es in der heutigen Zeit im eigentlichen Sinne nicht mehr. Denn der Ursprung codierter Zeugnisse entstammt einer Zeit, in welcher die Arbeitszeugnisse von Hand geschrieben wurden. Entdeckte man auf der Rückseite des Blattes einen dick gezeichneten Punkt, war dies der Hinweis, dass dieses Zeugnis «codiert» war. Dieser Punkt wies darauf hin, dass sämtliche im Zeugnis aufgeführten Bewertungen unwahr sind. So gesehen sind unsere Arbeitszeugnisse eher «flexibel» formuliert als codiert. Es gibt viele Formulierungen, die eine Leistung positiver darstellen. Hier ein paar Beispiele:

Er war Neuem gegenüber aufgeschlossen.

bedeutet: Aber er war nicht in der Lage, das Neue richtig zu erfassen und anzuwenden.

Er verfügt über Fachwissen und hat ein gesundes Selbstvertrauen.

bedeutet: Er ist arrogant und sein Fachwissen begrenzt.

Er galt als verständnisvoller Vorgesetzter.

bedeutet: Er konnte sich nicht durchsetzen bzw. wurde nicht respektiert. Nicht leistungsorientiert.

Quelle: Duden 2010

 

Auch wenn flexible Formulierungen unnötig sind, werden sie nach wie vor verwendet. Risiken, die die Arbeitnehmerin oder der Arbeitnehmer mitbringen und die der neue Arbeitgebende kennen muss, sind in jedem Fall zu erwähnen:

Fuhr ein Arbeitnehmer, z.B. ein Chauffeur, unter Alkoholeinfluss ein Auto oder einen Lieferwagen und hat im schlimmsten Fall einen Unfall verursacht, ist der aktuelle Arbeitgeber verpflichtet, eine entsprechende Formulierung im Zeugnis zu verfassen. Hierzu gibt es Vorlagen, welche verwendet werden dürfen. Das gleiche gilt, wenn ein Mitarbeitender Geld aus der Kasse entwendet hat. Auch hier ist der Arbeitgeber dazu verpflichtet, diese Information im Arbeitszeugnis zu erwähnen. Die häufigste Formulierung hierzu lautet «…gab es Unstimmigkeiten in der Kassenführung». Missachtet der Arbeitgeber die Angabe dieser wichtigen Information, kann er für Schäden beim neuen Arbeitgeber haftbar gemacht werden. 

Wehren Sie sich!

Haben Sie eine unwahre Bewertung erhalten und die Textpassagen in Ihrem Zeugnis entsprechen nicht der Realität? Gehen Sie auf Ihren Vorgesetzten zu und besprechen Sie den Inhalt. Erklären Sie, weshalb Sie mit den Formulierungen unzufrieden sind und die Bewertung anders ausfiel, als Sie sie erwartet haben. Kommen Sie und Ihr Vorgesetzter oder Ihre HR-Abteilung auf keinen grünen Zweig, können Sie sich den Gang zum Arbeitsgericht überlegen. Wir empfehlen jedoch immer die persönliche Aussprache.  

job impuls ag – für Arbeitszeugnisse genau die richtige Adresse.

Brauchen Sie jemanden, der Ihr Arbeitszeugnis gegenliest und Ihnen ein kompetentes Feedback gibt? Dann kommen Sie bei uns vorbei – wir helfen Ihnen gerne weiter. 

ARBEITSZEUGNIS: FLUCH ODER SEGEN? - job impuls ag
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